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Anna Katharina Hahn erzählt in ihrem 4 . Roman, die Geschichte einer Stuttgarter Familie aus verschiedenen Perspektiven. Sprachlich virtuos spannt sie den Bogen der letzten 100 Jahre, vom schwäbischen Pietismus zu den Amish-People in Pennsylvania und wieder zurück. Wie sie, die Herausforderung den Alltag zu überstehen und ihm ein wenig Glück abzutrotzen, seziert ist großartig. Hahn bezieht sich auf die Erzähltradition der Stuttgarter Romantik und gleichzeitig sind die Frauengestalten ganz modern in ihren Wünschen an das Leben. Sie versuchen zwischen dem rigiden Wertekanon Ihrer Kindheit, der späteren Berufstätigkeit und dem eigenen Liebesleben, sich als Individuum zu erkennen. Nie verlieren Ihre Personen die Würde, sondern sind stark darin, innerhalb der gesellschaftlichen Ansprüche, minimale Freiräume mit Träumen zu füllen. Ich begleitete sie als Leserin mit großer Anteilnahme. Vermeintlich kleine Siege innerhalb des Scheiterns sind die Mosaiksteinchen, die jede Person kennzeichnen. Es bedarf nicht großer Heldentaten, sondern immer weiter zu machen, ist die Herausforderung im Leben.
Dieses Buch empfiehlt Petra Luhnau
erzählt die Lebensgeschichte von Ise Frank alias Frau Bauhaus


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Venedig ist eine der schönsten Städte der Welt mit einer aufregenden kunstträchtigen Kulisse. Wo es allerdings auch Verbrechen gibt, die ein neuer Kommissar auf recht eigene Weise aufzuklären vermag.
Commissario Antonio Morelli ist zum Schutz vor der Mafia von Sizilien nach Venedig versetzt worden, wo seine neuen Kollegen ihm nicht ohne Misstrauen begegnen – schließlich ist er ein ‚Mann aus dem Süden‘. Zudem eilt ihm der Ruf des „freien Hundes“ voraus. Morelli gefällt es denn auch nicht in der Lagunenstadt, zu viel Wasser, zu viele Touristen, zu viele schiefe Türme und eine ganz andere Küche. Und einer eher laxer Umgang seiner Vorgesetzen mit Dieben und ehrbaren Bürgern der Stadt, die heimlich dunkle Geschäfte tätigen. Als ein junger Mann, Sohn aus gutem Hause, ermordet aufgefunden wird, kommen auf Morelli schwierige Ermittlungen zu. Denn der Tote war Anführer einer Bürgerinitiative gegen die Kreuzfahrtschiffe, und da haben so einige ein Motiv für einen Mord.
Italienische Leichtigkeit und deutscher Ernst paaren sich durch das Autorenduo Schorlau/ Caiolo in diesem Krimi auf beste Weise: Spannung und zugleich Aufklärung über die Politik der letzten Jahrzehnte in Italien. Es geht um Korruption und schlimmste Verbrechen. Und wie nebenbei wird manches zur Venedigs Architektur, Kunst und Lebensart erzählt. Man muss also nicht nach Venedig fahren, sondern einfach nur dieses unterhaltende und informative Buch lesen. Auf weitere Fälle darf man gespannt sein!
Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

Stur kann sie sein, aber auch einfühlsam und witzig, die pensionierte Mathelehrerin Olive Kitteridge. Man kennt sie aus Elizabeth Strouts Roman „Mit Blick aufs Meer“. Und nun ist sie wieder da, älter geworden, aber barsch wie eh und je – „Olive, again“.
Geradezu menschlich kommen Elizabeth Strouts Romane daher, mit viel Empathie und Verständnis für die Macken, die gerade gern ältere Menschen entwickeln. Auch in Crosby, diesem kleinen Ort in Maine, wo die Menschen zuweilen sehr einsam sein können. Und es nicht leicht haben im Leben. Von ihnen allen erzählt die Autorin, von den Wendungen im Leben, von Erinnerungen und den Verbindungen untereinander und entwirft so ein facettenreiches Bild der Einwohner von Crosby. Jack Kennison ist Witwer und im Ruhestand, zu den Kindern hat er wenig Kontakt. Auch Olive vermisst die Familie, und als sie Jack wieder trifft, bleibt sie bei ihm. Kayley Callaghan hingegen geht in die achte Klasse und hat Putzstellen bei älteren Paaren, um ihre Mutter zu unterstützen. Cindy ist schwerkrank und wird von ihrem Mann liebevoll umhegt und freut sich auf die Besuche von Olive.
Wo ist man gewesen und was hat das Leben mit einem gemacht – darum geht es in diesem Roman, der zugleich ein liebevolle Hommage an Maine ist: das Licht im Februar, die Natur und eben all ihre Schönheiten. Und um die Chancen, die man ergriffen oder verpasst hat – auch an den langen Abenden. Bewegend.
Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

Ein ungewöhnlicher Spionageroman, spannend und absolut packend, auch und gerade in diesen digitalen Zeiten, hat der französische Autor Jean Philippe Toussaint erdacht: „Der USB-Stick“ ist ein Thriller der Extraklasse.
Jean Detrez ist als Leiter der Europäischen Kommission zu einem Kolloquium zum Thema „Blockchain & Bitcoin“ nach Japan eingeladen. Er ist Experte auf dem Gebiet der Strategischen Zukunftsforschung; Zukunft ist für ihn ein zu bebauendes Feld, ergebnisoffen und variabel. Was ihn interessant macht für Lobbyisten, und aus Neugier lässt sich Detrez auf dubiose Treffen in Hotelbars ein, mit aller Vorsicht, versteht sich. Als ihm dabei zufällig ein USB-Stick in die Hände kommt, entdeckt er darauf Daten einer chinesischen Firma, die offenbar daraus ist, sich auf kriminellem Wege Bitcoins zu verschaffen. Detrez nimmt spontan den Flieger nach China und begibt sich für 48 Stunden auf eine gefährliche abenteuerliche Reise und in eine unmittelbare Zukunft, mit der er so nicht gerechnet hat…
Dies ist ein gelungener – übrigens exzellent übersetzter – Roman über die dunkle Seite der Macht von Blockchain-Technologien, es geht um Cyberkriminalität und die nicht zu kontrollierenden Aspekte von virtuellen Währungen. Darüber hinaus schafft es der Autor, Einfluss und Auswirkungen dieser digitalen Welt und ihrer Strukturen auf das Empfinden des Einzelnen überzeugend darzustellen. Zum Glück nicht ohne einen gewissen Humor, wie man ihn von Jean-Philippe Toussaint gewohnt ist.
Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy
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