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Petra Morsbach „Orion“

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Sie schreibt leicht und meint das meiste ernst: die deutsche Autorin Petra Morsbach, die vor neun Jahren ihren letzten Roman „Justizpalast“ veröffentlicht hat und dafür den Wilhelm-Raabe-Preis verliehen bekam, hat nun einen neuen gewaltigen Gesellschaftsroman vorgelegt: „Orion“.

Oma Auguste verdankt die Ich-Erzählerin, Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte, die Einführung in die Literatur: abendliche Gedichte und Lieder haben sich Nora fest eingeprägt. Und um Literatur, eine Lesende und Belesende geht es in diesem modernen Bildungsroman, der den Bogen eines Lebens von den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts bis heute spannt. Die Spannung ergibt sich durch die Metamorphosen, die Nora erlebt, ihre Suche nach Ehrlichkeit, stets begleitet auch von den alten Philosophen: „Was du auch tust, du wirst es bereuen.“ (Sokrates)

Bei einem Studentenjob lernt Nora ihren Mann kennen, den etwas trockenen Archivar Dr. Theseus Dellendrücker aus Paderborn, der korrekte Signaturen und die Vielfalt des Wissens mehr schätzt als alles andere: „hypergebildet, nur ein bisschen unterbelebt.“

Die Ehe, gegründet auf Sympathie und Vertrautheit, scheitert, auch wegen einer langen zurückliegenden Affäre von Nora, in die sie sich vor allem geflüchtet hat, um Liebe und so etwas wie Glück zu empfinden. Die Arbeit als Lehrerin, das Vermitteln literarischer Stoffe (und Bildung) sowie das kritische Hinterfragen von Sprache in der Kommunikation sind ihr Leben, bis eine Nierenerkrankung Nora zwingt, den Beruf aufzugeben. Ein später Job im Literaturarchiv gibt ihr neue Impulse und ein Art von Arbeitsglück.

Petra Morsbach ist eine Autorin von hoher Beobachtungsgabe, sie liebt ein großes Figurenpersonal, erzählt Anekdotisches und erfindet kluge Dialoge, ist immer humorvoll und auch witzig. Ihr Roman handelt vom gesellschaftlichen Diskurs, vom Idealismus und Scheitern, und nicht zuletzt von Orion, dem mythischen Himmelsjäger. Ein Füllhorn an Gedanken!

 

ISBN 978-3-32860073-2   € 26,-

 


Peggy Mädler „Selbstregulierung des Herzens“

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Wiedervereinigung und die lange Zeit der Teilung Deutschlands sind längst noch nicht verarbeitet, das zeigt sich allenthalben im gesellschaftlichen wie politischen Leben. Die Berliner Autorin Peggy Mädler, 1976 in Dresden geboren, kennt die Brüche und Verschiebungen, welche das Zusammenbringen zweier entgegengesetzter Systeme mit sich brachte. Und hat nun einen äußerst bemerkenswerten Roman dazu geschrieben.

In genau gesetzter Prosa, mit wunderbaren Naturbeschreibungen und konzentrierten Skizzen der Hauptfiguren, erleben wir in diesem Roman ein ganzes Panorama diverser Leben von den 60er Jahren bis heute in der ehemaligen DDR: im Mittelpunkt Georg, der als Programmierer arbeitet und aus einem Arbeiterhaushalt stammt, und die Grafikerin Mona, die beide mit ihren Familien und Freunden ein entspannteres Leben jenseits der Großstadt und den Systemzwängen in einem Dorf in Brandenburg suchen. Beide verbindet eine unerfüllte Liebe.

Während Georg bald Zweifel an den Idealen hat und erkennt, dass das ökonomische System weder der Planung noch den Bedürfnissen gerecht werden kann und sich zurückzieht, sammelt Mona Freunde um sich, um ein gesellschaftliches Netzwerk aufzubauen. Doch welchen Einfluss hat eine Lochkarte auf das Leben einzelner, und wie lebt man mit Kontrollen und Zwängen, mit Überwachung?

Peggy Mädlers Roman ist ein großartig angelegter Roman über Liebe und Kybernetik in der DDR, über Ideale und Enttäuschungen, über Anpassung und Resilienz. Behutsam, aber mit all ihren Widersprüchen zeichnet die Autorin ihre Figuren, ohne zu werten. Quasi von ‚innen‘ lernen wir diese Menschen kennen, ihre Gefühle, ihr Denken, ihre Herausforderungen im Leben, ihre Suche nach Nähe und die Erfahrung von Entfremdung. Ein beeindruckendes und bewegendes Buch, das viele Betrachtungsweisen offenlegt.

ISBN 978-3-86971335-9   € 23,-

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Martina Bogdahn „Mirabellentage“

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Martina Bogdahn ist in einer Idylle aufgewachsen: in einem Mühlenhaus in Mittelfranken – Inspirationsquelle für ihren ersten erfolgreichen Roman „Mühlensommer“. In ihrem neuen Roman geht es um einen Mirabellenbaum, einen ungewöhnlichen letzten Wunsch und noch viel mehr.

Anna und Josef waren Freunde seit Kindertagen, doch nun ist Josef gestorben, und Anna, die Icherzählerin, hat eine schwierige Aufgabe zu erfüllen. In Blumfeld an der Ache ist Sommer, der Mirabellenbaum mitten im katholischen Pfarrgarten wird viele Früchte bringen – jeder Gast im Haus bekommt ein Glas Mirabellenmarmelade auf den Weg, so ist es Tradition. Anna Nass war viele Jahre Haushälterin im Pfarrhaus, hat Josef unterstützt und sich gekümmert, und nun muss sie seine letzte Verfügung umsetzen. Und den neuen Pfarrer Fridtjof aus Norddeutschland mit den Gewohnheiten des Dorfes vertraut machen, was natürlich nicht ohne viel Humor und Komik angegangen wird. Zwischen Gänseblümchen, Kuhweiden und Streuobstwiesen wird das dörfliche Leben nicht langweilig, allzumal Anna viele Anekdoten und Erinnerungen zu erzählen weiß. Und ein Geheimnis hütet.

„Mirabellentage“ ist ein warmherziger Roman über Herkunft, Prägung und das dörfliche Leben, aber darüber hinaus eine großartige Geschichte über Pflicht und Loslassen, über Verbundenheit und Verlust. Und über Entscheidungen, die das Leben trifft: Anna Nass hat reichlich Herz und Verstand, sie weiß das Leben gegen alle Widrigkeiten mit Humor zu nehmen, und so folgt man ihr nur zu gern durch diesen lebendigen Roman, der auf leise Art Sehnsüchte berührt.

 

ISBN 978-3- 46201354-2    € 23,-


Bruno Preisendörfer „Schlagworte, die Geschichte machen“

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Seine Bücher zur Goethe- und Lutherzeit waren Bestseller. Nun hat sich Bruno Preisendörfer fünfzehn prägende Schlagworte aus der Politik der letzten 80 Jahre in Deutschland vorgenommen – und ihre vielfältige wie merkwürdige Wirkung bis heute.

Politische Parolen gab es immer schon, bringen sie doch Überzeugungen handfest auf den Punkt. Viele von ihnen haben ein „historisches Langzeitecho“, wie Preisendörfer feststellt – aber stimmen sie denn auch (noch)? War die „Stunde Null“ wirklich ein Neuanfang? Und wer kennt nicht Kenndys berühmten Satz von 1963 „Ich bin ein Berliner.“ – inmitten des kalten Krieges und nach dem Mauerbau. Oder Willy Brandts Aufforderung von 1966 „Wir wollen mehr Demokratie wagen.“ – ein Satz, der lange nachhallte, bis zu Angela Merkels griffigem Spruch von 2025 „Lassen Sie uns mehr Freiheit wagen.“ Was uns das alles sagen soll, erläutert Preisendörfer anhand von genau recherchierten Fakten und Zahlen. Sein Buch ist detailreich und reicht weit über eine rein politische Darstellung hinaus, es ist zum Teil auch eine Sozialgeschichte und Geschichte der Wirtschaft. Helmut Kohl sprach nach der Wiedervereinigung von den „blühenden Landschaften“; dabei hatte schon Ludwig Erhardt, der dicke Mann mit der Zigarre, 1957 den „Wohlstand für alle“ als Parole ausgegeben. Wohl eher mehr Wunsch als Realität. Ebenso wie Norbert Blüms Spruch von der sicheren Rente von 1997.

Bruno Preisendörfer räumt mit Illusionen auf, wortgewandt, stilsicher und auch nicht ohne Witz; sein Buch ist nicht nur für alle, denen das letzte Jahrhundert noch gut vertraut ist, sondern auch für Jüngere eine exzellent informative Geschichte wichtiger historischer Punkte in Deutschland. Und wer dem nachgehen möchte, findet zahlreiche Fakten, Quellenverweise und Nachweise im Anhang.

ISBN 978-3-86971292-5   € 28,-


Anja Jonuleit „Wo der Wind die Namen trägt“

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Eine Einladung zu einem Klassentreffen in die Lüneburger Heide und die Erinnerungen werden wach: an die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als Täter und Opfer nebeneinander lebten. Anja Jonuleit erzählt in ihrem neuen Roman Geschichten aus einem dunklen Kapitel der Geschichte.

Ingeborg Sundermann ist schon weit über achtzig, als sie in ihre alte Heimat nahe Celle eingeladen wird: ihr Heimatort Miele, der Wald und das Heidekraut wecken nicht nur gute Gefühle. Als Achtjährige hat sie auf ihren Streifzügen durch die Landschaft die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Nun hat ihr alter Schulfreund zufällig Aufzeichnungen einer seinerzeit jungen Journalistin gefunden, die bis 1946 zu den Bewohnern der Heidedörfer und -höfe für eine Chronik recherchiert hat. Und dabei sehr viel Grausames ans Licht gebracht hat. Nicht nur über ihren ehemaligen Geigenlehrer erfährt Ingeborg Ungeheuerliches bei der Lektüre, sondern auch über ihre Mutter, die damals als anerkannte Kinderärztin gearbeitet hat.

Es geht um Schuld, Scham und Täter, die nie oder viel zu spät zur Rechenschaft gezogen wurden, weil Vertuschung und Lügen nach 1945 alltäglich waren. Anja Jonuleit steht für gute und überzeugende Recherche, das hat die Bestsellerautorin längst bewiesen. Bei aller Spannung ist ihr Roman ein wuchtiges Buch gegen das Vergessen und eine bittere Anklage gegen die menschenverachtenden Verbrechen der Nazis. Ein aufrüttelndes Buch!

 

ISBN 978-3-57010606-8    € 24,-


Elizabeth Strout „Erzähl mir alles“

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Die amerikanische Autorin und Pulitzerpreisträgerin Elizabeth Strout ist eine leise Erzählerin, der auch wir gern unsere Geschichten anvertrauen würden. Es ist der warmherzige Blick auf ihre Figuren, auf die Traurigkeit in manchen Leben, was den beachtlichen Reiz ihrer Bücher ausmacht.

Main ist eine Lebenslandschaft, die in die Menschen dringt, heißt es im Roman. Lange schneereiche Winter und feuchtwarme Sommer und ein goldener Schimmer im Herbst –und so folgt man den Figuren in den lose verbundenen Geschichten gern durch ein Jahr in der kleinen Stadt Crosby. Die pensionierte Mathelehrerin Olive Kitteridge lebt im Seniorenheim, Typ altersfrech und forsch in der Art, und lernt nun endlich die Schriftstellerin Lucy Barton kennen. Gegenseitig erzählen sie sich dramatische Geschichten aus dem Leben anderer – es sind dies lebenskluge, philosophische Gespräche, die manches anklingen lassen. Ebenso wie die Spaziergänge und der rege Austausch zwischen Bob Burgess, dem ehemaligen Anwalt, und Lucy. Sie sind Freunde, und manchmal auch ein bisschen mehr.

Ein Roman voller Geschichten hat Elizabeth Strout geschrieben, voller Menschen, die sich nach Verbundenheit sehnen. Vor dem Hintergrund der Pandemie, des Ukrainekrieges und der amerikanischen Gegenwart – dem Riss durch das Land – schafft Strout mit Empathie und Behutsamkeit einen berührenden Kosmos.

„All diese unbeachteten Leben, und die Menschen leben sie einfach!“ – hier finden sie Beachtung!

ISBN 978-3-63087749-5   € 25,-

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

 


Franziska Hauser „Am Ende der Kleinigkeiten“

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Die vielfach prämierte Autorin Franziska Hauser ist auch Fotografin, möglicherweise rührt daher ihr scharfer Blick auf Lebensrealitäten. Es geht um Gemeinschaft wie um das Individuelle, um Abhängigkeiten und Freiheit. Und das alles mit warmem Blick auf das Menschliche.

Irma Lerwin wächst in einer Kommune auf, mit einer strengen kaltschnäuzigen Mutter, die sie schon früh in die Selbständigkeit zwingt. Bereits als Kind übernimmt sie Aufgaben in der Gemeinschaft Zeugland, auf dem nur die Sommer unbeschwert scheinen.

Irmas Mutter wurde in einem DDR-Heim sozialisiert, hat dieses Trauma nie überwunden und sucht bei wechselnden Liebhabern nach Liebe und Anerkennung.

Früh verlässt Irma den Hof und landet eher zufällig in der Großstadt beim Theater, wo sie Blanda kennenlernt, Aufnahme findet und nach kleineren Rollen im Jugendtheater endlich zu einer Agentur und ersten Hauptrollen kommt. Auf der Bühne kann Irma ihr schwieriges Leben verlassen, schauspielern, eine andere sein. Doch wer ist sie? Die aufreibende Beziehung zu dem eitlen und egoistischen Regisseur Taron Capla, der in Mitarbeitern lediglich Material sieht, beendet sie, inzwischen schwanger, um endlich selbst die Regie über ihr Leben zu führen.

Franziska Hauser zeichnet in diesem Roman ein wuchtiges Bild zerstörerischer Beziehungen, zugleich aber auch den mutigen und existenziell harten Werdegang einer jungen Frau und Mutter. Temporeich beschreibt die Autorin das intensive Leben am Theater, wo alles möglich ist und doch im Fiktiven bleibt. Ihre Hauptfigur muss sich selbst umbesetzen und behaupten lernen. Hier werden keine Kleinigkeiten verhandelt – großartig!

 

ISBN 978-3-62700343-2    € 26,-

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

 


Norbert Gstrein „Im ersten Licht“

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Als „erstes Licht“ bezeichnet man eine Hintergrundstrahlung, unsichtbar für unsere Augen, bis es auf die Linse eines Telekops trifft: Der neue fulminante großartige Roman des österreichischen Autors Norbert Gstrein steht genau für diese Linse – die uns viel zu denken gibt.

1901 markiert den Beginn des 20. Jahrhunderts, Geburtsjahr von Adrian Reiter, dem wir in drei Kapiteln durch ein ganzes besonderes Leben folgen: Ein vorsorglicher Axthieb seines Vaters bewahrt Adrian davor, in den 1. Weltkrieg ziehen zu müssen, dessen Kriegsversehrte er – zumeist mit Gesichtsverletzungen – mit Faszination und zugleich Abneigung kennenlernt. Adrian ist besessen vom Krieg, als Lehrer für Geschichte und Englisch debattiert er in Salzburg mit seinem Schüler, Martin Baumgartner, der später an vielen Fronten des Dritten Reiches unterwegs ist und ihm von Grausamkeiten berichtet. Im letzten Kapitel reist Adrian denn nun endlich in die Downs nach England, einem Sehnsuchtsort und erfährt von den Hinrichtungen der britischen Armee. Und wo ihm eine späte Liebe passiert.

Adrian Reiter bleibt ein Beobachter seines Lebens und Jahrhunderts, er ist ein Versehrter, der verschont bleibt. Und doch betroffen ist von all den Umbrüchen, die das 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Aber er ist auch ein Schweiger, ein Mann, der sich durchmogelt und durchhinkt, nicht ohne Zynismus bisweilen.

Norbert Gstrein hat einen wichtigen starken Antikriegsroman geschrieben, hochaktuell, von eindringlichem Ton, ohne zu moralisieren. Er erzählt mit einem geradezu drängenden Sog, intensiv, bildreich und mitreißend!

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse ist Norbert Gstrein schon, verdient hat er ihn allemal!

 

ISBN 978-3-44628297-1   € 27,-

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Leïla Slimani „Trag das Feuer weiter“

Empfehlungen

Die marokkanisch-französische Autorin Leïla Slimani schließt ihre Triologie mit einem programmtischen Titel ab: Trag das Feuer weiter. Und beendet damit eine mehr als außergewöhnliche großartige Familiensaga, die das Schicksal von drei Generationen erzählt, von 1945 bis heute.

Mia, die ältere Tochter von Aïcha und Mehdi Daoud, ist inzwischen erfolgreiche Schriftstellerin und kehrt aus Paris zu ihren Wurzeln nach Marokko zurück, in den Beginn der 80er Jahre. Auf der Farm ihrer Großeltern (Mathilde und Amine), wo alles begann, findet sie Papiere und Dokumente, die Erinnerungen nach oben bringen. Auch an ihre Kindheit, die Neugier, ihr genaues Beobachten ihrer Umgebung und ihren unendlichen Hunger nach Büchern, den sie mit ihrem Vater teilt. Früh schon spürt sie die gesellschaftlichen Hierarchien – sie wächst mit ihrer jüngeren Schwester im französischen Viertel auf und ist irritiert über die Trennung von Franzosen und Arabern, bemerkt den Drang nach Veränderung bei den Jüngeren, aber auch die Zerrissenheit zwischen Tradition und Moderne.

Aus verschiedenen Perspektiven erzählt Slimani diesen Roman, ohne die Brüche in ihren vielen Figuren zu moralisieren oder auszuerzählen. Natürlich haben geschilderte Szenen auch Symbolcharakter, was aber dem Roman noch mehr Wucht verleiht. Jede Generation hat andere Schwerpunkte, Träume und Vorstellungen von eigenen Leben, manches geht nicht in Erfüllung. Slimanis Roman ist ein vielschichtiges und lebendiges Zeugnis, das weit über das Schicksal einer Familie und insbesondere deren Frauen hinausweist: es geht um Herkunft und Identität, um Heimatverlust und das Streben nach Unabhängigkeit.

Beeindruckend!

ISBN 978-3-63087648-1   € 25,- 

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

 


Unsere Geschenktipps zu Weihnachten

Empfehlungen

 Wir waren wieder, mit tollen Empfehlungen und Lesungen,

in der HAZ und der NP zu finden.

Alle Bücher sind ab sofort bei uns im Laden

und im Onlineshop erhältlich!


Viel Spaß beim Lesen und Entdecken.


Ian Rankin „Die dunkelste Stunde der Nacht“

Empfehlungen

Rebus ist Kult. Jetzt ist der 25. Band der Reihe um den schottischen Ermittler in Edingburgh erschienen. Ian Rankin lässt seinen melancholischen Helden nicht zur Ruhe kommen, selbst nachts nicht. 

Erfolgreich wie kein zweiter hat John Rebus in der schottischen Hauptstadt Kriminelle hinter Gitter gebracht. Nun ist er längst im Ruhestand und sitzt selbst ein, wegen versuchten Mordes an seinem ewigen Widersacher Cafferty. Immerhin im Reintegrationstakt, wo er auch Besuche von seiner Exkollegin Shioban Clarke erhält, während sein Berufungsverfahren noch läuft. Als in der Nachbarzelle ein Insasse brutal ermordet aufgefunden wird, verlegt man Rebus in die Abteilung mit den Schwerstkriminellen: mit der Bitte, sich ein wenig ‚umzuhören‘. Doch dort wird Rebus ziemlichen Druck ausgesetzt, und auch die Gefängniswärter scheinen nicht

sauber. Rebus muss höllisch aufpassen, nicht zum Spielball zwischen den gewissenlosen Mächtigen zu werden…denn auch Malcom Fox treibt wieder seinen Spielchen.

John Rebus ist eine der erfolgreichsten Krimifiguren, komplex entworfen von rauem Charakter, doch immer sympathisch. Ein Saab-Fahrer und Rockfan, der sich auskennt in der dunkelsten Welt Edingburghs. Und seinen Jagd-Instinkt nicht verloren hat.

Sehr spannend entwickelt Ian Rankin diesen neuen Krimi, der an nur sieben ereignisreichen Tagen spielt. Absolut fesselnd!

ISBN 978-3-44231726-4   € 24,- 

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

 


Hanns-Josef Ortheil „Schwebebahnen“

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Bei „Schwebebahnen“ denkt man sofort an Wuppertal, die Stadt mit dem tiefen „U“, wie sie von den Einheimischen ausgesprochen wird. Hanns-Josef Ortheil erzählt in seinem neuen Roman entlang der Stationen dieser Bahn die Geschichte eines kleinen Jungen.

Josef ist sieben Jahre alt, als die Eltern von Köln nach Wuppertal ziehen, seinetwegen, denn man wünscht ein normales Leben für ihn. Denn Josef spricht kaum, ist schüchtern und introvertiert, spielt aber schon exzellent Klavier, hat das absolute Gehör, und beobachtet lieber als Gleichaltrige anzusprechen. Das ändert sich allerdings rasch, denn Mücke, ein Mädchen im gleichen Alter aus der Nachbarschaft – die Eltern haben ein Lebensmittelgeschäft – schließt sofort Freundschaft mit ihm und hilft ihm, sich in der neuen Umgebung einzuleben. In kleinen Episoden erfahren wir aus der Lebenswelt des Jungen, die täglich Neues für ihn bereithält: die Schule, Mückes Höhle im Wald, wo Jungensbanden ihr Unwesen treiben und Mücke aber Schutzengel bereithält, der Jungenchor der katholischen Gemeinde, die Bibliothek und auch der Langlauf, den Josef zu trainieren beginnt. Auch die Wuppertaler Schwimmoper und der Großmarkt kommen vor, aufregende Orte mit einem Eigenleben.

Hanns-Josef Ortheil selbst ist brillanter Pianist und Schriftsteller und weiß, von Musik zu erzählen. Sein berührender Roman ist eine wunderbare Lektüre, genau und mit Bedacht erzählt. Und kommt trotz einer leisen Traurigkeit nahe zu „schwebend“ leicht daher.

ISBN 978-3-63087784-6     € 24,-

Lesung bei uns am 25.11.2025 um 19.30 Uhr, Eintritt 20,- €

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy