Annette Mingels „Evas Tochter“

Ein Reigen an Frauenfiguren, episodisch verbunden, mit genauem Blick beobachtet und feinem Gespür für das menschliche Miteinander erzählt – das ist der neue Roman von Annette Mingels mit dem schlichten Titel „Evas Tochter“.
Plötzlich steht ein Zelt auf der Grasböschung des Gehwegs, inmitten einer noblen Villengegend – eine Irritation für die Bewohner der Straße. Greta, Künstlerin und Mutter dreier Kinder, ist die erste, die Sophie anspricht – schließlich zeltet diese direkt vor ihrem Elternhaus von Eva und Jacob von Clüver. Eine Performance? Rebellion? Auch Wanda, eine alte Freundin aus Kindertagen, taucht vor Sophies Zelt auf, Nachbarin Hanne stellt eine Tüte mit Lebensmitteln bereit und nimmt Sophie schließlich in ihrem Garten auf.
Auch Judith, Eva, Hjördis und Lilli haben irgendwie mit Sophie zu tun – insgesamt acht Frauen, von denen hier in kurzen Kapiteln erzählt wird. Sie sind Mütter und Töchter mit schwierigen Beziehungen, sind Witwen, Freundinnen oder auch verwandt, sind von Männern betrogen oder verlassen worden, haben Glück und Enttäuschungen erlebt und müssen sich in ihren Leben neu sortieren.
Großartig gelingt Annette Mingels die Darstellung weiblicher Lebensrealitäten von heute:
Es geht um jüngere wie ältere Frauen, ihre Prägungen und Erfahrungen, ihre Gefühle und ihre Suche nach ihrem Platz, auch nach Nähe und Zugehörigkeit. Ein beeindruckendes Stück Literatur, kompakt erzählt und mit großer Intuition für all das komponiert, was uns ausmacht!











