☰ MENÜ

 

Claire Adam „Was uns immer bleibt“

Empfehlungen

Ein Fehltritt während des Karnevals – als 16jährige gibt sie ihr Kind zur Adoption frei.

Und doch schleicht sich der Gedanke an ihr erstes Kind immer mehr in ihre Gedanken, bis sie als 40jährige zu suchen beginnt. Claire Adam hat einen ungemein berührenden Roman geschrieben.

Die Icherzählerin Dawn wächst in einer wohlhabenden Familie in Trinidad auf. Rückblickend erzählt sie, inzwischen Ende 50, von ihrer Familie, den Brüdern und dem Schweigen, das über allem liegt, was ihre allzu frühe Schwangerschaft von 1980 angeht: der Pakt. Als junge Erwachsene geht sie nach London nach ihrem Medizinstudium, heiratet und bekommt zwei Söhne. Ihr Mann Rob erfährt erst spät von Dawns erstem Kind, die Beziehung bekommt Risse und die Ehe wird geschieden. Dawn kämpft gegen ihre Schuldgefühle und beginnt, nach ihrem erstgeborenen Kind, einem Mädchen, das sie irgendwo bei Nonnen zur Welt gebracht hat, zu suchen: zuerst per Brief, später in Adoptionsforen, auf facebook. Immer wieder reist sie nach Hause zu ihrer Familie in Trinidad, bis sie am Ende loslassen kann.

Claire Adam ist selbst in Trinidad aufgewachsen und schreibt in diesem Familienroman auch viel über die Veränderungen der Karibikstaaten. Ihr Roman ist klassisch erzählt, mit wunderbar atmosphärischen Natur- und Umgebungsbeschreibungen und feinsinnigen Darstellungen der Familienmitglieder. Auch die detailgenauen Alltagsbeschreibungen fesseln bei der Lektüre.

Wer Elizabeth Strout liest, wird diesen Roman lieben, der 2025 für den Booker Prize nominiert war.

 

ISBN 978-3-63087862-1   € 25,-

Diese Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Andrew Miller „Das Land im Winter“

Empfehlungen

Andrew Miller ist ein Meister des story telling und stand mit seinem neuen Roman 2025 wieder auf der shortlist des Booker Prize – nun kann man seinen spannenden und intensiven Roman auch auf Deutsch lesen: „Das Land im Winter“.

In England herrscht 1962-63 ein ungewöhnlich harter Winter mit Rekordkälte und meterhohem Schnee – und verändert alles, besonders auf dem Land. In kleinen Cottages in Somerset leben zwei benachbarte Paare: Irene ist die Frau des Dorfarztes, beschäftigungslos und gelangweilt, allerdings in Vorfreude auf ein Baby, während ihr Mann Eric (Sozialist und klassenbewusst) ständig unterwegs ist und nebenbei eine Affäre mit einer reichen verheirateten Frau hat. Der Nachbar und Farmer Bill hingegen stammt aus einer Migrantenfamilie, die ihr Geld mit schmutzigen Immobilien in London verdient, er zieht das Landleben einem Studium vor und träumt von einer großen Rinderzucht. Auch seine Frau Rita ist oft allein daheim, übrigens eine Frau mit einer zwielichtigen Vergangenheit und Neigung zu Drogen. Alle vier Hauptfiguren stecken in einer Krise, die erst offenbar wird, als der Schnee sie einschließt.

Die Dramatik in diesem Roman lebt von den Perspektivwechseln, ganz allmählich erfährt man von Entfremdungen, familiären Geheimnissen, Einsamkeit, Schuld und Überforderungen. Das ist großartig und modern erzählt, mit exzellenten Dialogen und filmreichen Szenen vor der Kulisse des alles bedeckenden Schnees. Und gut entwickelten Charakteren, die bisweilen in das Dunkle ihrer selbst schauen. Außergewöhnlich!

ISBN 978-3-63087823-2    € 26,-


Unsere Werbung für neue Bücher und Lesungen

Empfehlungen

Wir werben in der HAZ und NP für unsere Bücher und Lesungen.

Unser komplettes Lesungsprogramm finden Sie bei uns

auf der Homepage oder direkt bei uns im Laden.

Tickets können Sie telefonisch oder per Mail bestellen.

08.10.2026 um 19.30 Uhr Lesung von Louise Kennedy mit „Red“

19.11.2026 Lesung von Caroline Wahl. (Bereits ausverkauft)

05.11.2026 um 19.30 Uhr Lesung von Julia Franck mit „Ich ertrinke in den Wassern meiner eigenen Liebe“

27.02.2027 um 18.00 Uhr Lesung von Annika Büsing mit „Magisch“

Nele Neuhaus „Alles wird Asche“

Ruth-Maria Thomas „Die zweitgrößte Liebe“

„Hauschild Kalender 2027“

Verena Bahlsen „Panikjahre“

Wir freuen uns auf gemeinsame Momente mit ihnen.


Jan Weiler „Das Vogelhaus“

Empfehlungen

Ein Jahr im Leben kann Auswirkungen auf das ganze Leben haben – wer wüßte das besser als Jan Weiler, der so wunderbar vom Leben auf vielfältige Weise erzählen kann. Sein neuer Roman „Das Vogelhaus“ handelt spannend, humorig und ernst von einem düsteren Ort und seinem Einfluss auf ein ganzes Leben.

Leonard Beck ist lediger Theaterdramaturg in Berlin und kehrt – kurzzeitig ohne Beschäftigung – in sein Elternhaus irgendwo im Linksrheinischen zurück. Anlass ist eine Immobilienanzeige, die seine Erinnerungen an seine Zeit als Zivildienstleistender Anfang der Nullerjahre weckt. Eine Zeit, die existentielle Erfahrungen mit sich brachte – gemeinsam mit seinen Kumpels Ari und Patrick kümmern sie sich um alte, kranke und einsame Menschen und lernen deren Schrullen kennen: die geile Gerda etwa, immer eine Anzüglichkeit parat, oder Herrn Berger, der Margarine liebt, oder Frau Hilgers, die als blinde Diabetikerin ständig nach heruntergefallenem Essen sucht. Und um Herrn Schwabe im Vogelhaus, einem düsteren Ort („gemauerte Trauer“), wo vier aggressive Aras mit Futter versorgt werden müssen – und dieses Haus steht nun zum Verkauf. Für Leonard ist es Zeit, dieses dunkle Geheimnis zu lüften und sich den Dämonen der Vergangenheit zu stellen.

„Mein Leben als Mensch“ heißt die Kolumne von Jan Weiler – dieser Roman, sicher auch autobiographisch gefärbt, schildert ein Leben als Zivi. Mit treffenden Beschreibungen, guten schlagfertigen Dialogen und darüber hinaus als charmante Familiengeschichte mit netten Eltern angelegt, illustriert der Roman auch ein Stück vergangener Sozialgeschichte: junge Menschen kümmern sich um Ältere, Hilfsbedürftige. Ein wenig Moral gibt es am Ende auch, in jedem Fall viel Gefühl: denn Leonard hat in genau dieser erfahrungsreichen Zeit als Zivi seinen Lebensmenschen gefunden. Absolut lesenswert!

 

ISBN 978-3-45344371-6   € 24,- 

Diese Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Pascal Engman „Der Clan – Die Straße“

Empfehlungen

Die Bandenkriminalität in den Großstädten Schwedens ist seit Jahren ein wachsendes Problem. Schusswaffen und brutale Gewalt haben zugenommen. Pascal Engman, der aufstrebende Star der schwedischen Krimiliteratur, widmet seine neue Trilogie diesem ernsten Thema. Der erste Band „Der Clan. Die Straße“ ist erschienen.

Wenn das Gesetz der Straße herrscht, sind die Gesetze einer Demokratie schwach.

Josef bekommt das zu spüren, er wohnt mit seiner Mutter in Sollentuna bei Stockholm, wo die Familie Mansour das Sagen hat. Mit seinem Freund Omar, der schuldlos brutal erpresst wird, steigt er in den Drogenhandel ein. Während Hjalmar, der Streifenpolizist, auf eine ganz eigene Weise gegen das Verbrechen kämpft. Und Zara aus der Clanfamilie nicht das Leben führen darf, das sie sich wünscht.

Auf knapp 600 Seiten entwirft Engman ein gewaltiges Bild einer Lebensrealität, verpackt in einen spannenden Thriller mit überraschenden Wendungen, viel Action und umsichtig entwickelten Charakteren. Gescheiterte Integration, soziale Ausgrenzung, leichter Zugang zu Waffen und einen Staat, der lange weggeschaut hat, sind die Ursachen für diese dunkle Seite in der schwedischen Gesellschaft, in der Moral keine Rolle mehr spielt.

Engmans Buch ist ein engagiertes Projekt, das nachvollziehbar macht, wie rasch Jugendliche kriminell werden können. Sein Krimi soll aufklären und all die Verflechtungen bis hin zu staatlichen Organen zeigen, die dazu geführt haben, dass Schweden eine der höchsten Raten an tödlicher Waffengewalt zu verzeichnen hat.

 

ISBN 978-3-49206794-2  € 18,-

 


Dörte Hansen „Broder“

Empfehlungen

Ein Hof in Nordfriesland ist der Schauplatz in Dörte Hansens neuem Roman, und wieder geht es wie in „Mittagsstunde“ um den Wandel in der ländlichen Welt. Mit großem Einfühlungsvermögen erzählt die Autorin von einer Familie und stellt die großen Fragen nach Verantwortung, Verlust und Schuld.

Der Behnsenhof steht zwischen Tradition und Fortschritt: Während der Altbauer Paul noch jeden Morgen durch den Stall geht und die Kühe beschaut, ist mit seinem Sohn Henning, dem Technikfreak, längst die Moderne eingezogen. Henning setzt auf digitales Monitoring, Spaltschieber und Hochleistungskühe, während bei seinem Bruder, dem Großtierarzt Broder Behnsen, nur Bioprodukte im Kühlschrank stehen. Broder ist nach über 20 Jahren Arbeit als Pferdearzt in die Heimat zurückgekehrt, nach einem tragischen Unfall auf dem Hof. Familie verpflichtet, auch bei aller Wut, die Broder auf seinen Bruder Henning bisweilen empfindet, wäre er doch der bessere Bauer gewesen, mit dem richtigen Gefühl für Tiere. In kurzen Kapiteln entwickelt Dörte Hansen hier eine Familiengeschichte, nicht nur um einen Bruderzwist, sondern auch die Geschichte um die Frauen auf dem Hof und im Dorf. Ganz allmählich entsteht so ein vielschichtiges Bild vom Landleben, das den Druck auf Menschen wie Tiere im bäuerlichen Leben beeindruckend zeigt. Erschöpfung, auch Überforderung und politische Entscheidungen fernab der Lebensrealitäten der ländlichen Bevölkerung, menschliche Tragödien und familiäre Verquickungen verdichten sich hier zu einem spannenden und berührenden Roman, der in einer mündlich tradierten Sprache seine Figuren lebendig werden lässt.

Wunderbar sind auch Dörte Hansens Wortschöpfungen („Hoffnungsspeicher“), und ihre großartigen Schilderungen von Natur und Vögeln.

Dörte Hansen kann Milieu, und sie kann Landleben, nicht ohne eine leise mitschwingende Melancholie, aber die teilt man nur zu gern.

 

ISBN 978-3-32860455-6     € 26,-

 

Diese Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Belinda Bauer „Das Ding der Unmöglichkeit“

Empfehlungen

An der Küste von Yorkshire bedeutete das Sammeln von Seevögeleiern zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein lukratives Einkommen für die ansässigen Bauern. Berühmt wurde das „Metland-Ei“ – ein rotes Lummenei, von dem bis heute niemand weiß, wo es ist. Die vielfach prämierte englische Autorin Belinda Bauer hat nun einen klug konstruierten spannenden Roman über die Eierdiebstähle erdacht – gut recherchiert und basierend auf historischen Fakten.

Als Nick und seine Mutter werden in einem abgelegenen Cottage in Wales überfallen werden, ist eine Holzschatulle verschwunden, in der sich ein rotes Vogelei befand. Nick wollte eigentlich nur alten Krempel vom Dachboden über Ebay verkaufen – nicht ahnend, dass er einen skrupellosen Händler aufmerksam gemacht hat. Ist doch der Handel mit Vogeleiern längst verboten. Gemeinsam mit seinem Freund Patrick macht er sich auf die Suche nach dem gestohlenen Kleinod, dessen Geschichte weit in die Vergangenheit zurückreicht. Denn die sechsjährige Celie Shephard, ein eigentümliches Kind von schmalem zerbrechlichen Körperbau, war mutig und waghalsig. Und schaffte es mit Hilfe eines Bruders 1926, in die engsten Klippen hinabzuklettern, um Lummeneier zu sammeln, während am Klippenrand bereits die Eiermakler auf fette Beute warteten. Ihr Fund eines roten Lummeneis wird zum begehrten Sammlerstück, das nicht das einzige bleibt, denn Lummen können ziemlich alt werden und legen entsprechend viele Eier…

Geschickt verknüpft Belinda Bauer die Historie des Eiersammelns mit der spannenden Detektivarbeit der beiden jungen Männer von heute. Und entspinnt ein weites Netz an Intrigen, die sich um die Vogeleiersammlungen ranken. Heute werden sie in britischen Museen nicht mehr gezeigt: ein Grund mehr, diesen faszinierenden Roman zu lesen!

ISBN 978-3-956146879  € 25,-

 


Annette Mingels „Evas Tochter“

Empfehlungen

Ein Reigen an Frauenfiguren, episodisch verbunden, mit genauem Blick beobachtet und feinem Gespür für das menschliche Miteinander erzählt – das ist der neue Roman von Annette Mingels mit dem schlichten Titel „Evas Tochter“.

Plötzlich steht ein Zelt auf der Grasböschung des Gehwegs, inmitten einer noblen Villengegend – eine Irritation für die Bewohner der Straße. Greta, Künstlerin und Mutter dreier Kinder, ist die erste, die Sophie anspricht – schließlich zeltet diese direkt vor ihrem Elternhaus von Eva und Jacob von Clüver. Eine Performance? Rebellion? Auch Wanda, eine alte Freundin aus Kindertagen, taucht vor Sophies Zelt auf, Nachbarin Hanne stellt eine Tüte mit Lebensmitteln bereit und nimmt Sophie schließlich in ihrem Garten auf.

Auch Judith, Eva, Hjördis und Lilli haben irgendwie mit Sophie zu tun – insgesamt acht Frauen, von denen hier in kurzen Kapiteln erzählt wird. Sie sind Mütter und Töchter mit schwierigen Beziehungen, sind Witwen, Freundinnen oder auch verwandt, sind von Männern betrogen oder verlassen worden, haben Glück und Enttäuschungen erlebt und müssen sich in ihren Leben neu sortieren.

Großartig gelingt Annette Mingels die Darstellung weiblicher Lebensrealitäten von heute:

Es geht um jüngere wie ältere Frauen, ihre Prägungen und Erfahrungen, ihre Gefühle und ihre Suche nach ihrem Platz, auch nach Nähe und Zugehörigkeit. Ein beeindruckendes Stück Literatur, kompakt erzählt und mit großer Intuition für all das komponiert, was uns ausmacht!

 

ISBN 978-3-32860480-8   € 24,-


Carys Davies „Das Pfarrhaus“

Empfehlungen

Indienreisen haben in der englischen Literatur eine lange Tradition. Die britische Autorin Carys Davies nimmt dies als Vorlage für ihren neuen, behutsam erzählten Roman, der von einem Neustart handelt. Und einen kleinen Ausschnitt der Lebenswelten in Indien zu Beginn von Modis Regierungszeit vermittelt.

Hilary Bird ist Bibliothekar, Anfang 50, ein schlaksiger Junggeselle, der nach einem Zusammenbruch eine Reise nach Indien unternimmt. Etwas planlos irrt er durch Städte und findet schließlich auf Einladung eines Pfarrers ein ruhiges und kühles Domizil in den Bergen Indiens, wo er sich rasch heimisch fühlt. Er schließt nach einem Sturz engere Freundschaft mit dem Rikschafahrer Jamshed, der ihn auf bisweilen halsbrecherische Weise durch die Gegend fährt und dem er von seinem Leben in England berichtet. Der Pfarrer hat eine Haushälterin, ein ehemaliges Findelkind: Priscilla ist eine kluge junge Frau der christlichen Minderheit des Dorfes, zu der Bird eine freundschaftliche Beziehung entwickelt. Aber er bemerkt die Zeichen der Zeit nicht, denn es gibt Probleme im Dorf und zwischen den Glaubensrichtungen.

Die vielfach prämierte Autorin hat sich zu diesem leisen und tragischen Roman von wahren Begebenheiten inspirieren lassen. „Das Pfarrhaus“ ist ein Roman voll leiser Spannungen, in denen es um Träume und Hoffnungen geht. Das ist sehr kunstvoll erzählt und nimmt auf altmodische Weise mit in ein Indien von heute.

ISBN 978-3-630876757  € 25,-

Diese Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Kristina Ohlsson „Nachtschatten“

Empfehlungen

Die schwedische Autorin Kristina Ohlsson kennt sich aus mit spannenden Verbrechen, schließlich hat sie bei der schwedischen Sicherheitspolizei und im Außenministerium gearbeitet. Regelmäßig stehen ihre Krimis auf den Bestsellerlisten, und auch der neue Roman um August Strindberg ist wieder ein Knaller.

Hovenäs an der Westküste Schwedens ist ein idyllisches Plätzchen und eigentlich kein Ort für Verbrechen. Doch als eine junge Frau verschwunden ist und man nur ihre Beinprothese in einer Bucht findet, sind alle alarmiert. Und während sich August Strindberg gemeinsam mit seinem Freund Henrik auf Spurensuche der eigenen Familiengeschichte begibt, muss seine Frau Maria mit Ray-Ray die polizeilichen Ermittlungen aufnehmen. August betreibt neben seinem Trödelladen nun auch eine kleine Pension, in der sich ein merkwürdiger Gast einmietet – auch er ist auf der Suche nach Antworten, was seine Tochter angeht. Dass die Hochzeitsvorbereitungen für August und Maria nun in den Hintergrund rücken, ist nur verständlich. Denn Maria wird zusätzlich noch von anonymen Kurznachrichten belästigt, was allen große Sorgen bereitet.

Liebhaber der schwedischen Krimis werden dieses Buch lieben: das bekannte Personal von Hovenäs ist hier wieder versammelt – dem man gern folgt, weil alle sehr sympathisch sind und man jede Menge aus ihrem Privatleben erfährt. Und Cliffhänger sorgen in diesem komplexen Roman für ordentlich Spannung!

 

ISBN 978-3-764510237   € 18,-

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Sandi Toksvig „Dorothy will bleiben“

Empfehlungen

Der britische Humor ist bekannt: trocken mit einem Schuss Sarkasmus und mitunter auch ein wenig schwarz. Die Dänin Sandi Toksvig lebt schon lange in London und hat mit sich mit ihrem Roman ein Herzensprojekt der Komik erfüllt – ein Buch zum Abtauchen und Lachen.

In London ein Haus zu finden, ist nicht einfach. Doch die Polizistin Stevie und ihre Frau Amber, Rettungssanitäterin mit immer vollem Einsatz, können endlich ihr kleines Haus beziehen. Eigentlich eine „Schrottimmobilie“, wie es heißt, mit verwildertem Garten und einer neugierigen Nachbarin, nicht unbedingt die besten Eigenschaften für ein glückliches Heim. Doch das ist nicht die einzige Überraschung, die auf die beiden jungen Frauen wartet. Denn im ersten Stock sitzt eine alte Dame auf einem roten Sofa – Dorothy ist die Vorbesitzerin des Hauses und will nicht weichen…

Und dabei bleibt es nicht, immer neue Kuriositäten und unerwartete Ereignisse wirbeln die Pläne der beiden Hauptfiguren durcheinander. Es bedarf einiger Anstrengungen, bis sich alle wirklich miteinander wohlfühlen.

Wer Witz und gelegentlich auch Slapstick mag, treffende schnelle Dialoge schätzt und überhaupt mal wieder herzhaft lachen möchte, wird diesen herzerwärmenden Roman lieben. Welcher übrigens in England sofort nach Erscheinen ein Sunday Times-Bestseller wurde!

 

ISBN 978-3-85179589-9   € 24,-


Petra Morsbach „Orion“

Empfehlungen

Sie schreibt leicht und meint das meiste ernst: die deutsche Autorin Petra Morsbach, die vor neun Jahren ihren letzten Roman „Justizpalast“ veröffentlicht hat und dafür den Wilhelm-Raabe-Preis verliehen bekam, hat nun einen neuen gewaltigen Gesellschaftsroman vorgelegt: „Orion“.

Oma Auguste verdankt die Ich-Erzählerin, Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte, die Einführung in die Literatur: abendliche Gedichte und Lieder haben sich Nora fest eingeprägt. Und um Literatur, eine Lesende und Belesende geht es in diesem modernen Bildungsroman, der den Bogen eines Lebens von den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts bis heute spannt. Die Spannung ergibt sich durch die Metamorphosen, die Nora erlebt, ihre Suche nach Ehrlichkeit, stets begleitet auch von den alten Philosophen: „Was du auch tust, du wirst es bereuen.“ (Sokrates)

Bei einem Studentenjob lernt Nora ihren Mann kennen, den etwas trockenen Archivar Dr. Theseus Dellendrücker aus Paderborn, der korrekte Signaturen und die Vielfalt des Wissens mehr schätzt als alles andere: „hypergebildet, nur ein bisschen unterbelebt.“

Die Ehe, gegründet auf Sympathie und Vertrautheit, scheitert, auch wegen einer langen zurückliegenden Affäre von Nora, in die sie sich vor allem geflüchtet hat, um Liebe und so etwas wie Glück zu empfinden. Die Arbeit als Lehrerin, das Vermitteln literarischer Stoffe (und Bildung) sowie das kritische Hinterfragen von Sprache in der Kommunikation sind ihr Leben, bis eine Nierenerkrankung Nora zwingt, den Beruf aufzugeben. Ein später Job im Literaturarchiv gibt ihr neue Impulse und ein Art von Arbeitsglück.

Petra Morsbach ist eine Autorin von hoher Beobachtungsgabe, sie liebt ein großes Figurenpersonal, erzählt Anekdotisches und erfindet kluge Dialoge, ist immer humorvoll und auch witzig. Ihr Roman handelt vom gesellschaftlichen Diskurs, vom Idealismus und Scheitern, und nicht zuletzt von Orion, dem mythischen Himmelsjäger. Ein Füllhorn an Gedanken!

 

ISBN 978-3-32860073-2   € 26,-