Franziska Hauser „Am Ende der Kleinigkeiten“

Die vielfach prämierte Autorin Franziska Hauser ist auch Fotografin, möglicherweise rührt daher ihr scharfer Blick auf Lebensrealitäten. Es geht um Gemeinschaft wie um das Individuelle, um Abhängigkeiten und Freiheit. Und das alles mit warmem Blick auf das Menschliche.
Irma Lerwin wächst in einer Kommune auf, mit einer strengen kaltschnäuzigen Mutter, die sie schon früh in die Selbständigkeit zwingt. Bereits als Kind übernimmt sie Aufgaben in der Gemeinschaft Zeugland, auf dem nur die Sommer unbeschwert scheinen.
Irmas Mutter wurde in einem DDR-Heim sozialisiert, hat dieses Trauma nie überwunden und sucht bei wechselnden Liebhabern nach Liebe und Anerkennung.
Früh verlässt Irma den Hof und landet eher zufällig in der Großstadt beim Theater, wo sie Blanda kennenlernt, Aufnahme findet und nach kleineren Rollen im Jugendtheater endlich zu einer Agentur und ersten Hauptrollen kommt. Auf der Bühne kann Irma ihr schwieriges Leben verlassen, schauspielern, eine andere sein. Doch wer ist sie? Die aufreibende Beziehung zu dem eitlen und egoistischen Regisseur Taron Capla, der in Mitarbeitern lediglich Material sieht, beendet sie, inzwischen schwanger, um endlich selbst die Regie über ihr Leben zu führen.
Franziska Hauser zeichnet in diesem Roman ein wuchtiges Bild zerstörerischer Beziehungen, zugleich aber auch den mutigen und existenziell harten Werdegang einer jungen Frau und Mutter. Temporeich beschreibt die Autorin das intensive Leben am Theater, wo alles möglich ist und doch im Fiktiven bleibt. Ihre Hauptfigur muss sich selbst umbesetzen und behaupten lernen. Hier werden keine Kleinigkeiten verhandelt – großartig!
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