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Franziska Hauser „Am Ende der Kleinigkeiten“

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Die vielfach prämierte Autorin Franziska Hauser ist auch Fotografin, möglicherweise rührt daher ihr scharfer Blick auf Lebensrealitäten. Es geht um Gemeinschaft wie um das Individuelle, um Abhängigkeiten und Freiheit. Und das alles mit warmem Blick auf das Menschliche.

Irma Lerwin wächst in einer Kommune auf, mit einer strengen kaltschnäuzigen Mutter, die sie schon früh in die Selbständigkeit zwingt. Bereits als Kind übernimmt sie Aufgaben in der Gemeinschaft Zeugland, auf dem nur die Sommer unbeschwert scheinen.

Irmas Mutter wurde in einem DDR-Heim sozialisiert, hat dieses Trauma nie überwunden und sucht bei wechselnden Liebhabern nach Liebe und Anerkennung.

Früh verlässt Irma den Hof und landet eher zufällig in der Großstadt beim Theater, wo sie Blanda kennenlernt, Aufnahme findet und nach kleineren Rollen im Jugendtheater endlich zu einer Agentur und ersten Hauptrollen kommt. Auf der Bühne kann Irma ihr schwieriges Leben verlassen, schauspielern, eine andere sein. Doch wer ist sie? Die aufreibende Beziehung zu dem eitlen und egoistischen Regisseur Taron Capla, der in Mitarbeitern lediglich Material sieht, beendet sie, inzwischen schwanger, um endlich selbst die Regie über ihr Leben zu führen.

Franziska Hauser zeichnet in diesem Roman ein wuchtiges Bild zerstörerischer Beziehungen, zugleich aber auch den mutigen und existenziell harten Werdegang einer jungen Frau und Mutter. Temporeich beschreibt die Autorin das intensive Leben am Theater, wo alles möglich ist und doch im Fiktiven bleibt. Ihre Hauptfigur muss sich selbst umbesetzen und behaupten lernen. Hier werden keine Kleinigkeiten verhandelt – großartig!

 

ISBN 978-3-62700343-2    € 26,-

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

 


Norbert Gstrein „Im ersten Licht“

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Als „erstes Licht“ bezeichnet man eine Hintergrundstrahlung, unsichtbar für unsere Augen, bis es auf die Linse eines Telekops trifft: Der neue fulminante großartige Roman des österreichischen Autors Norbert Gstrein steht genau für diese Linse – die uns viel zu denken gibt.

1901 markiert den Beginn des 20. Jahrhunderts, Geburtsjahr von Adrian Reiter, dem wir in drei Kapiteln durch ein ganzes besonderes Leben folgen: Ein vorsorglicher Axthieb seines Vaters bewahrt Adrian davor, in den 1. Weltkrieg ziehen zu müssen, dessen Kriegsversehrte er – zumeist mit Gesichtsverletzungen – mit Faszination und zugleich Abneigung kennenlernt. Adrian ist besessen vom Krieg, als Lehrer für Geschichte und Englisch debattiert er in Salzburg mit seinem Schüler, Martin Baumgartner, der später an vielen Fronten des Dritten Reiches unterwegs ist und ihm von Grausamkeiten berichtet. Im letzten Kapitel reist Adrian denn nun endlich in die Downs nach England, einem Sehnsuchtsort und erfährt von den Hinrichtungen der britischen Armee. Und wo ihm eine späte Liebe passiert.

Adrian Reiter bleibt ein Beobachter seines Lebens und Jahrhunderts, er ist ein Versehrter, der verschont bleibt. Und doch betroffen ist von all den Umbrüchen, die das 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Aber er ist auch ein Schweiger, ein Mann, der sich durchmogelt und durchhinkt, nicht ohne Zynismus bisweilen.

Norbert Gstrein hat einen wichtigen starken Antikriegsroman geschrieben, hochaktuell, von eindringlichem Ton, ohne zu moralisieren. Er erzählt mit einem geradezu drängenden Sog, intensiv, bildreich und mitreißend!

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse ist Norbert Gstrein schon, verdient hat er ihn allemal!

 

ISBN 978-3-44628297-1   € 27,-

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Leïla Slimani „Trag das Feuer weiter“

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Die marokkanisch-französische Autorin Leïla Slimani schließt ihre Triologie mit einem programmtischen Titel ab: Trag das Feuer weiter. Und beendet damit eine mehr als außergewöhnliche großartige Familiensaga, die das Schicksal von drei Generationen erzählt, von 1945 bis heute.

Mia, die ältere Tochter von Aïcha und Mehdi Daoud, ist inzwischen erfolgreiche Schriftstellerin und kehrt aus Paris zu ihren Wurzeln nach Marokko zurück, in den Beginn der 80er Jahre. Auf der Farm ihrer Großeltern (Mathilde und Amine), wo alles begann, findet sie Papiere und Dokumente, die Erinnerungen nach oben bringen. Auch an ihre Kindheit, die Neugier, ihr genaues Beobachten ihrer Umgebung und ihren unendlichen Hunger nach Büchern, den sie mit ihrem Vater teilt. Früh schon spürt sie die gesellschaftlichen Hierarchien – sie wächst mit ihrer jüngeren Schwester im französischen Viertel auf und ist irritiert über die Trennung von Franzosen und Arabern, bemerkt den Drang nach Veränderung bei den Jüngeren, aber auch die Zerrissenheit zwischen Tradition und Moderne.

Aus verschiedenen Perspektiven erzählt Slimani diesen Roman, ohne die Brüche in ihren vielen Figuren zu moralisieren oder auszuerzählen. Natürlich haben geschilderte Szenen auch Symbolcharakter, was aber dem Roman noch mehr Wucht verleiht. Jede Generation hat andere Schwerpunkte, Träume und Vorstellungen von eigenen Leben, manches geht nicht in Erfüllung. Slimanis Roman ist ein vielschichtiges und lebendiges Zeugnis, das weit über das Schicksal einer Familie und insbesondere deren Frauen hinausweist: es geht um Herkunft und Identität, um Heimatverlust und das Streben nach Unabhängigkeit.

Beeindruckend!

ISBN 978-3-63087648-1   € 25,- 

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

 


Unsere Geschenktipps zu Weihnachten

Empfehlungen

 Wir waren wieder, mit tollen Empfehlungen und Lesungen,

in der HAZ und der NP zu finden.

Alle Bücher sind ab sofort bei uns im Laden

und im Onlineshop erhältlich!


Viel Spaß beim Lesen und Entdecken.


Ian Rankin „Die dunkelste Stunde der Nacht“

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Rebus ist Kult. Jetzt ist der 25. Band der Reihe um den schottischen Ermittler in Edingburgh erschienen. Ian Rankin lässt seinen melancholischen Helden nicht zur Ruhe kommen, selbst nachts nicht. 

Erfolgreich wie kein zweiter hat John Rebus in der schottischen Hauptstadt Kriminelle hinter Gitter gebracht. Nun ist er längst im Ruhestand und sitzt selbst ein, wegen versuchten Mordes an seinem ewigen Widersacher Cafferty. Immerhin im Reintegrationstakt, wo er auch Besuche von seiner Exkollegin Shioban Clarke erhält, während sein Berufungsverfahren noch läuft. Als in der Nachbarzelle ein Insasse brutal ermordet aufgefunden wird, verlegt man Rebus in die Abteilung mit den Schwerstkriminellen: mit der Bitte, sich ein wenig ‚umzuhören‘. Doch dort wird Rebus ziemlichen Druck ausgesetzt, und auch die Gefängniswärter scheinen nicht

sauber. Rebus muss höllisch aufpassen, nicht zum Spielball zwischen den gewissenlosen Mächtigen zu werden…denn auch Malcom Fox treibt wieder seinen Spielchen.

John Rebus ist eine der erfolgreichsten Krimifiguren, komplex entworfen von rauem Charakter, doch immer sympathisch. Ein Saab-Fahrer und Rockfan, der sich auskennt in der dunkelsten Welt Edingburghs. Und seinen Jagd-Instinkt nicht verloren hat.

Sehr spannend entwickelt Ian Rankin diesen neuen Krimi, der an nur sieben ereignisreichen Tagen spielt. Absolut fesselnd!

ISBN 978-3-44231726-4   € 24,- 

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

 


Hanns-Josef Ortheil „Schwebebahnen“

Empfehlungen

Bei „Schwebebahnen“ denkt man sofort an Wuppertal, die Stadt mit dem tiefen „U“, wie sie von den Einheimischen ausgesprochen wird. Hanns-Josef Ortheil erzählt in seinem neuen Roman entlang der Stationen dieser Bahn die Geschichte eines kleinen Jungen.

Josef ist sieben Jahre alt, als die Eltern von Köln nach Wuppertal ziehen, seinetwegen, denn man wünscht ein normales Leben für ihn. Denn Josef spricht kaum, ist schüchtern und introvertiert, spielt aber schon exzellent Klavier, hat das absolute Gehör, und beobachtet lieber als Gleichaltrige anzusprechen. Das ändert sich allerdings rasch, denn Mücke, ein Mädchen im gleichen Alter aus der Nachbarschaft – die Eltern haben ein Lebensmittelgeschäft – schließt sofort Freundschaft mit ihm und hilft ihm, sich in der neuen Umgebung einzuleben. In kleinen Episoden erfahren wir aus der Lebenswelt des Jungen, die täglich Neues für ihn bereithält: die Schule, Mückes Höhle im Wald, wo Jungensbanden ihr Unwesen treiben und Mücke aber Schutzengel bereithält, der Jungenchor der katholischen Gemeinde, die Bibliothek und auch der Langlauf, den Josef zu trainieren beginnt. Auch die Wuppertaler Schwimmoper und der Großmarkt kommen vor, aufregende Orte mit einem Eigenleben.

Hanns-Josef Ortheil selbst ist brillanter Pianist und Schriftsteller und weiß, von Musik zu erzählen. Sein berührender Roman ist eine wunderbare Lektüre, genau und mit Bedacht erzählt. Und kommt trotz einer leisen Traurigkeit nahe zu „schwebend“ leicht daher.

ISBN 978-3-63087784-6     € 24,-

Lesung bei uns am 25.11.2025 um 19.30 Uhr, Eintritt 20,- €

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

 


Arne Dahl „Kaltes Fieber“

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Skinnarviksberget ist ein beliebter natürlicher Aussichtspunkt mit einem weiten Blick über Stockholm. Eine vermeintliche Idylle, denn plötzlich thront dort eine kreideweiße Statue, eine Nachbildung der Zeusstatue aus Olympia. Und im Innern der Statue findet sich eine männliche Leiche …

Der schwedische Krimiautor Arne Dahl gehört nicht umsonst zu den erfolgreichsten Krimiautoren weltweit – er weiß genau, welche Geschichten unter die Haut gehen. Sein Team um Eva Nyman wird in diesem zweiten Fall mit der Antike konfrontiert: die Zeusstatue ist nur der Anfang, denn es gibt sieben antike Weltwunder.

Ihre Recherche führt die Ermittler in die Welt der Kunst, Stichwort Street Art, denn so kunstvoll kann nicht jeder eine Leiche präsentieren. Und Sandskulpturen wie die Pyramiden von Gizeh erschaffen, zwischen denen ein weiterer Toter gefunden wird.

Die intensive Recherche führt die Säpo tief in die Drogenszene und in einen Stadtteil von Stockholm, wo vor über 20 Jahren Fentanyl an einer Schule verteilt wurde. Auch Lukas Frisell ist wieder dabei, er kennt sich ja aus in den Wäldern und kann Spuren in der Natur lesen…

Arne Dahl hat wieder einmal richtig packende hochkomplexe Story mit Bezügen zu realen Fakten geschaffen: In vielen kleinen Kapiteln werden die Ermittlungsansätze verfolgt und allmählich bis zu einem dramatischen Finale zusammengefügt. Gut recherchiert, spannungsgeladen und mit einem tiefen Blick in die schwedische Gesellschaft, in der sich menschenverachtende Kriminelle bereits seit Kurt Wallander eingenistet haben.

 

ISBN 978-3-49207243-4    € 17,-


Henning Sußebach „Anna oder: Was von einem Leben bleibt“

Empfehlungen

Was bleibt von einem Leben? Diese Frage stellt der ZEIT-Redakteur Henning Sußebach und spürt dem Leben seiner Urgroßmutter nach, einer frühen Feministin, die trotz gesellschaftlicher Zwänge ihren eigenen Lebensweg gegangen ist.

Ein winziger Nachlass, wenige Briefe und Poesiealben sind von ihrem Leben geblieben, das sehr ungewöhnlich war für eine Frau, die in einem kleinen Dorf im Sauerland 1887 als 20jährige Lehrerin ihr Berufsleben angeht. Der Vater war Schankwirt und ist früh gestorben, neben sieben Geschwistern blieb für Anna Sußebach nur der Weg in die Schule; Bedingung: unverheiratet bleiben. Die Sozialkontrolle in einem Dorf von 500 Einwohnern funktioniert: die Heirat nach 15 Jahren Schuldienst mit dem Kaufmannssohn gegen das Veto dessen angesehener Familie wird kritisch wahrgenommen. Doch Clemens, Annas große Liebe, stirbt nach nur kurzer Ehe, und sie wird Erbin und Geschäftsfrau einer Gastwirtschaft, Poststation, Kegelbahn und Kolonialwarenhandlung. So wird eine Anna eine begehrte Frau im Dorf – bis zur Hochzeit mit einem 19 Jahre jüngeren Junglehrer.

Henning Sußebach will mit seinem Buch die Erinnerung retten: die Erinnerung an eine starke Frau mit einem ungewöhnlichen Leben. Seine Rekonstruktion ist liebevoll, unterlegt mit historischen Quellen und zugleich auch voller Mutmaßungen. Die man ihm gern nachsieht. Denn sein Buch ist zugleich ein gutes Stück deutscher Sozialgeschichte: als Dorf- und Lebensgeschichte und als Geschichte einer emanzipierten Frau.

Beeindruckend!

ISBN 978-3-40683626-    € 23,-

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Unsere Spätsommer-Empfehlungen

Empfehlungen

Wir haben wieder in der HAZ und der NP für unsere

Spätsommer-Empfehlungen geworben.

„In 80 Büchern um die Welt“ ~ John McMurtrie

„Achtsam Morden durch bewusste Ernährung“ ~ Karsten Dusse

„Der Lehrer“ ~ Freida McFadden

„Provenzalisches Licht“ ~ Sophie Bonnet

„Der Trailer“ ~ Linus Geschke

„Biarritz“ ~ Andrea Sawatzki

„Ein Schrei im Ozean“ ~ Benoit d‘Halluin

„Windstärke 17“ ~ Caroline Wahl

„Kunst in Sicht“ ~ Otto Waalkes

„100 Momente, die die Welt veränderten“ ~ M. Giacosa, R. Mottadelli, G. Morelli

 

Die Bücher sind bei uns im Laden und in unserem Onlineshop erhältlich.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen!


Doris Knecht „Ja, nein, vielleicht“

Empfehlungen

Über die romantische Liebe wurde schon viel geschrieben, und nun bereichert die österreichische Autorin Doris Knecht dieses vieldeutige Thema mit klarem Blick um einen modernen Aspekt: klug, unterhaltsam und nicht nur für Frauen sehr tiefsinnig.

Die Icherzählerin, sicher ein Alter Ego der Autorin, sucht den Zahnarzt auf: ein Backenzahn schmerzt empfindlich. Nichts mehr zu machen, lautet die Diagnose, eine längere Behandlung zur Paradontose wird empfohlen und löst eine Lebenskrise aus.

Schließlich ist die Erzählerin zwar Ü50, aber ansonsten sehr gesund, fit und geht pfleglich mit ihrem Körper um. Ihr Leben ist eingerichtet, nach der Scheidung, die Kinder sind erwachsen, sie kann ihr Schreibleben auf dem Land in einem alten Bauernhaus genießen und weiß um ihre Komfortzone, als sie zufällig einen alten Freund Friedrich, eine alte Beziehung von vor über 20 Jahren, im Supermarkt wiedersieht. Unerwartet schleicht sich dieser Mann in ihre Gedanken, wo sie sich doch eigentlich um die anstehende Hochzeit ihrer besten Freundin kümmern muss. Und auch um ihre Schwester, die sich in ihrer kleinen Stadtwohnung mit einem neuen Mann eingenistet hat. Soll auch in ihrem Leben nochmals ein Mann eine Rolle spielen, frau die Unsicherheit wagen, etwa Kontrolle abgeben? Ja, nein vielleicht?

Assoziativ und mit viel (österreichischem) Lebenshumor entwirft Doris Knecht hier eine Frauenfigur, deren selbstbestimmtes Leben ein wenig ins Wanken gerät. Wie heißt es doch: Entweder es passt, oder eben nicht. Dieses Buch passt!

 

ISBN 978-3-44628288-9  € 24,-

 

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

 


Anne Freytag „Blaues Wunder“

Empfehlungen

Auch Beziehungen können oxidieren – das zeigt die Münchner Autorin Anne Freytag in ihrem Roman „Blaues Wunder“ auf hervorragend schonungslose Weise. Wir erleben drei Paare auf einer Luxusyacht in einer äußerst spannungsgeladenen Atmosphäre.

Geld ist selbstverständlich in diesem kleinen Kreis von Bankern: Walter Bronstein und seine Frau Rachel haben auf ihre Yacht eingeladen, man segelt nahe der Philippinen.

Das Ehepaar verfügt über Einfluss, Macht, großen Reichtum – und über einige dunkle Geheimnisse. Per Helikopter angereist sind Nora (Ich-Erzählerin) und ihr Mann Ferdinand sowie das Paar Franziska und Kilian – die Männer sind konkurriende Kollegen in der Bank und erwarten das Angebot einer Partnerschaft. Also legt man sich ins Zeug und zeigt gute Miene zu einem eigentlich widerwärtigen Spiel, zu dem auch Schnorcheln, Kajakrennen und Kartenspiel gehören. Alle haben etwas zu verbergen, wie sich nach und nach enthüllt. Und alle zahlen einen hohen Preis für ihr Leben, das sie so eigentlich gar nicht wollen.

Der Frauen größte Schwäche sind ihre Männer, heißt es, mit Raffinesse und Geduld ordnen sie sich unter und machen doch ihre eigene gierige Performance. Es geht um den Kampf der Konkurrenten und den Kampf zwischen den Geschlechtern, genau beobachtet und durch einen direkten Stil erzählerisch voll auf den Punkt gebracht. Der Roman lebt vom einem ungeschönten Drive, ist raffiniert angelegt und hat hohen Unterhaltungswert! Frau kommt voll auf ihre Kosten. Ein Kammerspiel, in dem Rollen klar verteilt sind – bis ein blaues Wunder zu erleben ist.

 

ISBN 978-3-31110145-1   € 24,-


Philippe Collin „Der Barmann des Ritz“

Empfehlungen

Das Hotel Ritz an der Place Vendôme hatte vor dem 1. Weltkrieg seine glanzvolle Zeit, war berühmt für französische Kultur und Lebensart und zog jede Art von Berühmtheiten an. Die Petit Bar ist eine Legende in der Welt des Luxus – und verkommt ab 1940 zu einem Ort der Illusionen, wie man nun beeindruckt in einem Bestseller aus Frankreich lesen kann.

Frank Meier ist seit 1921 der berühmte Barmann des Ritz; seine Cocktails wie Bluebird, Pink Lady oder Alexandra Highball sind gefragt – nun auch von den deutschen Offizieren, die sich neben französischen Kollaborateuren und Boheme am Tresen einfinden. Äußerst widerwillig serviert Frank Meier, der aus Österreich stammt, Jude ist und katholisch getauft, den ‚Boches‘ ihre Drinks und lauscht insgeheim ihren Gesprächen. Das harsche Regiment der Ritz-Witwe tut ein Übriges: täglich heißt es, sich neu zu arrangieren mit den deutschen Besatzern, die ab 1941 ein zunehmend hartes Gewalt-Regime in Paris etablieren. Und während rundum in der Stadt Elend, Hunger und Verzweiflung herrscht, speist man im Ritz Rinderfilet, Poularde und Seehecht. Und der deutsche Reichsmarschall verschwendet unglaubliche Mengen Wasser für seine Bäder.

Und der Barmann des Ritz lernt trotz seiner Angst in einer Welt voller Täuschungen sich mutig zu engagieren, indem er gefälschte Papiere für jüdische Bürger organisiert.

Der französische Journalist und Radiomoderator Philippe Collin orientiert sich in seinem Roman an den historischen Fakten und setzt dem berühmten Barmann ein literarisches Denkmal: eingestreute fiktive Tagebuchnotizen imaginieren nicht nur Frank Meiers Gedanken, sondern erzählen auch aus seinem Leben und seiner unerfüllten Liebe zu Blanche Auzello, der Frau des Direktors. Mit einer spannungsreichen dichten Atmosphäre überzeugt dieser Roman, der vom Mut und von Loyalität in der düsteren Zeit von 1940 bis August 1944 bewegend zu berichten weiß.

ISBN 978-3-45864512-2  € 25,-

 

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy