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Arne Dahl „Kaltes Fieber“

Empfehlungen

Skinnarviksberget ist ein beliebter natürlicher Aussichtspunkt mit einem weiten Blick über Stockholm. Eine vermeintliche Idylle, denn plötzlich thront dort eine kreideweiße Statue, eine Nachbildung der Zeusstatue aus Olympia. Und im Innern der Statue findet sich eine männliche Leiche …

Der schwedische Krimiautor Arne Dahl gehört nicht umsonst zu den erfolgreichsten Krimiautoren weltweit – er weiß genau, welche Geschichten unter die Haut gehen. Sein Team um Eva Nyman wird in diesem zweiten Fall mit der Antike konfrontiert: die Zeusstatue ist nur der Anfang, denn es gibt sieben antike Weltwunder.

Ihre Recherche führt die Ermittler in die Welt der Kunst, Stichwort Street Art, denn so kunstvoll kann nicht jeder eine Leiche präsentieren. Und Sandskulpturen wie die Pyramiden von Gizeh erschaffen, zwischen denen ein weiterer Toter gefunden wird.

Die intensive Recherche führt die Säpo tief in die Drogenszene und in einen Stadtteil von Stockholm, wo vor über 20 Jahren Fentanyl an einer Schule verteilt wurde. Auch Lukas Frisell ist wieder dabei, er kennt sich ja aus in den Wäldern und kann Spuren in der Natur lesen…

Arne Dahl hat wieder einmal richtig packende hochkomplexe Story mit Bezügen zu realen Fakten geschaffen: In vielen kleinen Kapiteln werden die Ermittlungsansätze verfolgt und allmählich bis zu einem dramatischen Finale zusammengefügt. Gut recherchiert, spannungsgeladen und mit einem tiefen Blick in die schwedische Gesellschaft, in der sich menschenverachtende Kriminelle bereits seit Kurt Wallander eingenistet haben.

 

ISBN 978-3-49207243-4    € 17,-


Henning Sußebach „Anna oder: Was von einem Leben bleibt“

Empfehlungen

Was bleibt von einem Leben? Diese Frage stellt der ZEIT-Redakteur Henning Sußebach und spürt dem Leben seiner Urgroßmutter nach, einer frühen Feministin, die trotz gesellschaftlicher Zwänge ihren eigenen Lebensweg gegangen ist.

Ein winziger Nachlass, wenige Briefe und Poesiealben sind von ihrem Leben geblieben, das sehr ungewöhnlich war für eine Frau, die in einem kleinen Dorf im Sauerland 1887 als 20jährige Lehrerin ihr Berufsleben angeht. Der Vater war Schankwirt und ist früh gestorben, neben sieben Geschwistern blieb für Anna Sußebach nur der Weg in die Schule; Bedingung: unverheiratet bleiben. Die Sozialkontrolle in einem Dorf von 500 Einwohnern funktioniert: die Heirat nach 15 Jahren Schuldienst mit dem Kaufmannssohn gegen das Veto dessen angesehener Familie wird kritisch wahrgenommen. Doch Clemens, Annas große Liebe, stirbt nach nur kurzer Ehe, und sie wird Erbin und Geschäftsfrau einer Gastwirtschaft, Poststation, Kegelbahn und Kolonialwarenhandlung. So wird eine Anna eine begehrte Frau im Dorf – bis zur Hochzeit mit einem 19 Jahre jüngeren Junglehrer.

Henning Sußebach will mit seinem Buch die Erinnerung retten: die Erinnerung an eine starke Frau mit einem ungewöhnlichen Leben. Seine Rekonstruktion ist liebevoll, unterlegt mit historischen Quellen und zugleich auch voller Mutmaßungen. Die man ihm gern nachsieht. Denn sein Buch ist zugleich ein gutes Stück deutscher Sozialgeschichte: als Dorf- und Lebensgeschichte und als Geschichte einer emanzipierten Frau.

Beeindruckend!

ISBN 978-3-40683626-    € 23,-

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Unsere Spätsommer-Empfehlungen

Empfehlungen

Wir haben wieder in der HAZ und der NP für unsere

Spätsommer-Empfehlungen geworben.

„In 80 Büchern um die Welt“ ~ John McMurtrie

„Achtsam Morden durch bewusste Ernährung“ ~ Karsten Dusse

„Der Lehrer“ ~ Freida McFadden

„Provenzalisches Licht“ ~ Sophie Bonnet

„Der Trailer“ ~ Linus Geschke

„Biarritz“ ~ Andrea Sawatzki

„Ein Schrei im Ozean“ ~ Benoit d‘Halluin

„Windstärke 17“ ~ Caroline Wahl

„Kunst in Sicht“ ~ Otto Waalkes

„100 Momente, die die Welt veränderten“ ~ M. Giacosa, R. Mottadelli, G. Morelli

 

Die Bücher sind bei uns im Laden und in unserem Onlineshop erhältlich.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen!


Hans Pleschinski „Das kurze und verschwenderische Glück der Königin Marie Antoinette“

Empfehlungen

Historische Themen haben ihn immer schon begeistert und sind Gegenstand seiner Bücher geworden. Nun hat der Münchner Autor Hans Pleschinski einen neuen Schatz aus einer untergegangenen Welt gehoben: die Memoiren der Kammerfrau der französischen Königin Marie Antoinette.

Henriette Campan kam fünfzehnjährig zunächst als Vorleserin für die drei Töchter Ludwigs XV 1768 an den Hof von Versailles und wurde wenige Jahre später die Kammerfrau und engste Vertraute von Marie Antoinette, der schönen und tragischen französischen Königin aus dem Habsburger Haus. Erst im hohen Alter hat Henriette Campan ihre Memoiren verfasst (1822): ein literarisches, auch intimes Kleinod, das authentisch Auskunft gibt über eine längst versunkene Epoche: das Leben und die strenge Etikette am Versailler Hof, die zahllosen Affären und Intrigen, todbringende Krankheiten und gefährliche Missgeschicke: “An einem Hof wird alles bekannt.“

Es ist eine Zeit des Umbruchs, die Zeit der Sonnenkönige ist am Verblassen, Verschwendungssucht lässt das französische Volk leiden und schließlich aufbegehren und mit der Revolution den Grundstein für die moderne Gesellschaft legen.

Henriette Campan urteilt in ihren Erinnerungen durchaus eigenständig, hat einen kritischen Blick auf ihre Königin und weiß genau um die politischen und persönlichen Ränkespiele am Hofe. Ihr Stil ist beeinflusst von der französischen Literatur jener Zeit und vermutlich auch von der Prosa Voltaires, wie Pleschinski erläutert.

Campans bewegte Erinnerungen sind bis heute Grundlage für das Wissen über die französische Königin, von der Hans Pleschinski von Kindheit an fasziniert ist. Nun hat er diese Memoiren vorbildlich elegant ins Deutsche übersetzt und klug kommentiert und mit einem Nachwort versehen: ein bedeutungsvolles Zeugnis einer Epoche kann nachgelesen werden!

ISBN 978-3-40683715-9   € 26,-

 

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Doris Knecht „Ja, nein, vielleicht“

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Über die romantische Liebe wurde schon viel geschrieben, und nun bereichert die österreichische Autorin Doris Knecht dieses vieldeutige Thema mit klarem Blick um einen modernen Aspekt: klug, unterhaltsam und nicht nur für Frauen sehr tiefsinnig.

Die Icherzählerin, sicher ein Alter Ego der Autorin, sucht den Zahnarzt auf: ein Backenzahn schmerzt empfindlich. Nichts mehr zu machen, lautet die Diagnose, eine längere Behandlung zur Paradontose wird empfohlen und löst eine Lebenskrise aus.

Schließlich ist die Erzählerin zwar Ü50, aber ansonsten sehr gesund, fit und geht pfleglich mit ihrem Körper um. Ihr Leben ist eingerichtet, nach der Scheidung, die Kinder sind erwachsen, sie kann ihr Schreibleben auf dem Land in einem alten Bauernhaus genießen und weiß um ihre Komfortzone, als sie zufällig einen alten Freund Friedrich, eine alte Beziehung von vor über 20 Jahren, im Supermarkt wiedersieht. Unerwartet schleicht sich dieser Mann in ihre Gedanken, wo sie sich doch eigentlich um die anstehende Hochzeit ihrer besten Freundin kümmern muss. Und auch um ihre Schwester, die sich in ihrer kleinen Stadtwohnung mit einem neuen Mann eingenistet hat. Soll auch in ihrem Leben nochmals ein Mann eine Rolle spielen, frau die Unsicherheit wagen, etwa Kontrolle abgeben? Ja, nein vielleicht?

Assoziativ und mit viel (österreichischem) Lebenshumor entwirft Doris Knecht hier eine Frauenfigur, deren selbstbestimmtes Leben ein wenig ins Wanken gerät. Wie heißt es doch: Entweder es passt, oder eben nicht. Dieses Buch passt!

 

ISBN 978-3-44628288-9  € 24,-

 

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

 


Anne Freytag „Blaues Wunder“

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Auch Beziehungen können oxidieren – das zeigt die Münchner Autorin Anne Freytag in ihrem Roman „Blaues Wunder“ auf hervorragend schonungslose Weise. Wir erleben drei Paare auf einer Luxusyacht in einer äußerst spannungsgeladenen Atmosphäre.

Geld ist selbstverständlich in diesem kleinen Kreis von Bankern: Walter Bronstein und seine Frau Rachel haben auf ihre Yacht eingeladen, man segelt nahe der Philippinen.

Das Ehepaar verfügt über Einfluss, Macht, großen Reichtum – und über einige dunkle Geheimnisse. Per Helikopter angereist sind Nora (Ich-Erzählerin) und ihr Mann Ferdinand sowie das Paar Franziska und Kilian – die Männer sind konkurriende Kollegen in der Bank und erwarten das Angebot einer Partnerschaft. Also legt man sich ins Zeug und zeigt gute Miene zu einem eigentlich widerwärtigen Spiel, zu dem auch Schnorcheln, Kajakrennen und Kartenspiel gehören. Alle haben etwas zu verbergen, wie sich nach und nach enthüllt. Und alle zahlen einen hohen Preis für ihr Leben, das sie so eigentlich gar nicht wollen.

Der Frauen größte Schwäche sind ihre Männer, heißt es, mit Raffinesse und Geduld ordnen sie sich unter und machen doch ihre eigene gierige Performance. Es geht um den Kampf der Konkurrenten und den Kampf zwischen den Geschlechtern, genau beobachtet und durch einen direkten Stil erzählerisch voll auf den Punkt gebracht. Der Roman lebt vom einem ungeschönten Drive, ist raffiniert angelegt und hat hohen Unterhaltungswert! Frau kommt voll auf ihre Kosten. Ein Kammerspiel, in dem Rollen klar verteilt sind – bis ein blaues Wunder zu erleben ist.

 

ISBN 978-3-31110145-1   € 24,-


Philippe Collin „Der Barmann des Ritz“

Empfehlungen

Das Hotel Ritz an der Place Vendôme hatte vor dem 1. Weltkrieg seine glanzvolle Zeit, war berühmt für französische Kultur und Lebensart und zog jede Art von Berühmtheiten an. Die Petit Bar ist eine Legende in der Welt des Luxus – und verkommt ab 1940 zu einem Ort der Illusionen, wie man nun beeindruckt in einem Bestseller aus Frankreich lesen kann.

Frank Meier ist seit 1921 der berühmte Barmann des Ritz; seine Cocktails wie Bluebird, Pink Lady oder Alexandra Highball sind gefragt – nun auch von den deutschen Offizieren, die sich neben französischen Kollaborateuren und Boheme am Tresen einfinden. Äußerst widerwillig serviert Frank Meier, der aus Österreich stammt, Jude ist und katholisch getauft, den ‚Boches‘ ihre Drinks und lauscht insgeheim ihren Gesprächen. Das harsche Regiment der Ritz-Witwe tut ein Übriges: täglich heißt es, sich neu zu arrangieren mit den deutschen Besatzern, die ab 1941 ein zunehmend hartes Gewalt-Regime in Paris etablieren. Und während rundum in der Stadt Elend, Hunger und Verzweiflung herrscht, speist man im Ritz Rinderfilet, Poularde und Seehecht. Und der deutsche Reichsmarschall verschwendet unglaubliche Mengen Wasser für seine Bäder.

Und der Barmann des Ritz lernt trotz seiner Angst in einer Welt voller Täuschungen sich mutig zu engagieren, indem er gefälschte Papiere für jüdische Bürger organisiert.

Der französische Journalist und Radiomoderator Philippe Collin orientiert sich in seinem Roman an den historischen Fakten und setzt dem berühmten Barmann ein literarisches Denkmal: eingestreute fiktive Tagebuchnotizen imaginieren nicht nur Frank Meiers Gedanken, sondern erzählen auch aus seinem Leben und seiner unerfüllten Liebe zu Blanche Auzello, der Frau des Direktors. Mit einer spannungsreichen dichten Atmosphäre überzeugt dieser Roman, der vom Mut und von Loyalität in der düsteren Zeit von 1940 bis August 1944 bewegend zu berichten weiß.

ISBN 978-3-45864512-2  € 25,-

 

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Kathy Reichs „Die Sprache der Flammen“

Empfehlungen

Kriminalfälle haben ihren eigenen Slang: ganz besonders in den Thrillern von Kathy Reichs, die sich als Anthropologin wie keine zweite mit Leichen auskennt. Im neuen Band um Tempe Brennan geht es um extrem schwierige Identifizierungen.

Eigentlich wollte sich Tempe Brennan ein paar ruhige Tage mit ihrem Freund Andrew Ryan gönnen, da wird sie nachts aus dem Schlaf geklingelt: man benötigt dringend ihre Expertise in einem ungewöhnlichen Fall. Bei einem Brand in Washington sind in einem illegalen Airbnb vier verkohlte Leichen gefunden worden; eine grausige Aufgabe liegt vor der Forensikerin. Bei der weiteren Durchsuchung wird in einem Tiefkeller eine weitere Tote gefunden, die offensichtlich schon länger dort lag. Als es zu einem weiteren Hausbrand kommt, kommt Tempe Brennan den Besitzern und einer komplizierten Geschichte der Häuser auf die Spur, die bis in die Zeit der Prohibition zurückreicht.
Und dann erreichen sie anonyme Drohnachrichten auf dem Handy…

Kathy Reichs‘s Thriller sind immer eine gekonnt faszinierende Mischung aus medizinischem Bericht und genauesten Detailbeschreibungen. Schlagfertige Dialoge treffende Ironie und frappierende Plot-Twists lassen garantiert keine Langeweile aufkommen!

 

ISBN 978-3-45327525-6   € 24,-

 

 


Liz Moore „Der Gott des Waldes“

Empfehlungen

Wälder können tückisch sein: man kann leicht die Orientierung verlieren. Der neue Roman der amerikanischen Autorin Liz Moore kreist genau um dieses Thema und führt mit viel Spannung in die emotionalen Abgründe ihrer Figuren.

Das Camp Emerson liegt im Naturreservat der Familie van Laar – einer sehr reichen Familie mit vielerlei Geheimnissen. Es ist der Sommer 1975, und wiederum sind viele Kinder und Jugendliche ins Sommerferiencamp gekommen, manche allerdings nicht ganz freiwillig. Unter anderem sollen sie lernen, sich durch Training im Wald zurecht zu finden. Auch die dreizehnjährige Tochter der van Laars ist dieses Mal dabei, um den Feiern ihrer reichen Eltern zu entfliehen. Als sie eines Morgens nicht mehr aufzufinden ist, machen sich Polizei und Freiwillige unverzüglich auf die Suche. Denn schließlich ist vor vielen Jahren auch der Sohn der van Laars plötzlich verschwunden. Und ein entflohener Mörder soll sich in den Wäldern herumtreiben…

Liz Moore hat nicht nur einen packenden Pageturner geschrieben, sondern einen umfassenden Gesellschaftsroman, mit scharfem Blick auf die Verhältnisse: auf das Verhältnis von Männern und Frauen, auf das mangelnde Recht auf Selbstbestimmung von Frauen, auf soziale Ungleichheit, Verwahrlosung und vor allem: auf dunkle Familiengeheimnisse. Ein mitreißender Roman, dessen viele Fäden und Figuren am Ende ein dicht gestricktes Netz an Beziehungen bilden. Ein New York Times Bestseller!

ISBN 978-3-40682977-2   € 26,-

 

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy


Yasmina Reza „Die Rückseite des Lebens“

Empfehlungen

Beeindruckende Studien liefert die französische Schriftstellerin, Regisseurin und Schauspielerin Yasmina Reza in ihrem schmalen Buch, in dem sie präzise und einfühlsame Blicke auf Die Rückseite des Lebens“ wirft.

Yasmina Reza hat zahlreiche Gerichtsprozesse in Frankreich für ihr Buch verfolgt, Einblicke gewonnen in die Momente, in denen ein Leben eine fatale Wendung nimmt: es geht um Ausbrüche aus Gewalt und Wut, denen häufig Verletzungen vorangegangen sind, tradierte Muster sich ohne Gegenwehr durchgesetzt haben. Es geht um Beihilfe zum Mord; eine Mutter, die ihr Kind am Meeresrand aussetzt; um Betrug, Drogenhandel und Tricksereien in einer Dating-App, um Missbrauch und Heimtücke, oft um Mord an alten Frauen. Oder an Familien, die nicht ins Bild passen.
Aber die Autorin streut wie nebensächlich auch Autobiografisches ein: Notizen zu Begegnungen mit Vertrauten wie den Autor Imre Kertesz, den Schauspieler Bruno Ganz und den großen Theaterregisseur Luc Bondy.
In über 50 kurzen Prosastücken zeigt Yasmina Reza Momentaufnahmen aus dem Leben, in einer klaren Sprache, ohne zu moralisieren oder ein Urteil zu fällen. Rezas wärmender Blick auf das Menschliche zeugt von hoher Sensibilität auf Spektakuläres wie Banales, das ganze Leben eben – nur von hinten.

 

ISBN 978-3-44628275-9   € 24,-

 


Garry Disher „Desolation Hill“

Empfehlungen

Vom Desolation Hill hat man einen weiten Blick auf Büsche und Steinwüste – ein unwirtlicher Ort. Er gibt den Namen für den 4. Band der Reihe um Constable Hirsch, dem wir gern auf den Schotterpisten durchs Farmland folgen.

Niemand kann die australischen Outbacks so gut beschreiben wie Garry Disher. Seine Hauptfigur Constable Paul Hirschhausen, genannt Hirsch, ist einiges gewöhnt und patrouilliert verlässlich mit seinem Toyota auf den holprigen Wegen, immer auch mit einem verständnisvollen Blick auf die sozial schwierigen Verhältnisse. Die Suche nach einem verschwundenen Backpacker aus Belgien führt ihn auf die Farm Dryden Downs, wo ihn manches befremdet. Es ist Coronazeit, und alle drehen ein bisschen durch; Coronaleugner und Verschwörungstheorien gehen um. Dass die Tochter seiner Freundin massiv online gemobbt wird, bereitet Hirsch schon genug Sorgen, da findet er eine verkohlte Leiche am Straßenrand. Und als dann noch ein Hund durchdreht, beginnt Hirsch zu ahnen, wo ein paar Fäden zusammenlaufen – doch da kommt ihm die Bundespolizei dazwischen.

Desolation Hill ist ein Krimi, der nicht nur durch stimmige atmosphärische Beschreibungen und die sympathische Figur des Constables besticht, sondern auch durch seinen raffiniert komponierten Spannungsaufbau. Bis sich am Ende alles zu einem fulminanten Showdown zusammenfügt, vergeht eine lange Weile – großartig!

ISBN 978-3-29300599-0   € 24,-

 

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy

 


Kristine Bilkau „Halbinsel“

Empfehlungen

Die Hamburger Autorin Kristine Bilkau hat den Preis der Leipziger Buchmesse 2025 gewonnen.

Für ihren überzeugenden Roman, der am Beispiel einer neu zu justierenden Mutter-Tochter-Beziehung den gesellschaftlichen Wandel zeigt.

Annett, die Ich-Erzählerin in diesem Roman, lebt auf einer Halbinsel an der Nordsee, ist früh verwitwet und hat ihre Tochter Linn allein aufgezogen. Nach einem Zusammenbruch, den Linn während eines Vortrages erlebt, bricht sie mit ihrem Leben, kündigt den gutdotierten Job in Berlin für ein Unternehmen, das sich mit Aufforstung beschäftigt und zieht zunächst für ein, zwei Wochen zu ihrer Mutter.

Aus den Wochen wird ein ganzer Sommer, in dem Mutter und Tochter neu zueinander finden müssen – denn weiß man als Mutter wirklich, wie es der eigenen Tochter eigentlich geht? Müssen Töchter die Erwartungen der Mütter erfüllen?

Annett fühlt sich hilflos gegenüber der Antriebslosigkeit ihrer Tochter, die am Ende einen Job in einer Bäckerei annimmt. Und doch dabei ihr Ziel nicht aus den Augen verliert.

Umsichtig und mit ruhigem Erzählfluss thematisiert Kristine Bilkau den Konflikt zwischen Fürsorge und Freiheit und stellt die Frage, wer in dieser Welt zahlloser Krisen eigentlich noch krisenfest sein kann.  Es geht um sich verändernde Lebenswirklichkeiten und nicht zuletzt Linns Einsatz für den Klimaschutz, der seine Entsprechung in exzellenten Naturbeschreibungen findet. Ein kluger Gesellschaftsroman!

 

ISBN 978-3-63087730-3  € 24,-

 

Dieses Buch empfiehlt Ulrike Groffy