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Norbert Gstrein „Im ersten Licht“

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Als „erstes Licht“ bezeichnet man eine Hintergrundstrahlung, unsichtbar für unsere Augen, bis es auf die Linse eines Telekops trifft: Der neue fulminante großartige Roman des österreichischen Autors Norbert Gstrein steht genau für diese Linse – die uns viel zu denken gibt.

1901 markiert den Beginn des 20. Jahrhunderts, Geburtsjahr von Adrian Reiter, dem wir in drei Kapiteln durch ein ganzes besonderes Leben folgen: Ein vorsorglicher Axthieb seines Vaters bewahrt Adrian davor, in den 1. Weltkrieg ziehen zu müssen, dessen Kriegsversehrte er – zumeist mit Gesichtsverletzungen – mit Faszination und zugleich Abneigung kennenlernt. Adrian ist besessen vom Krieg, als Lehrer für Geschichte und Englisch debattiert er in Salzburg mit seinem Schüler, Martin Baumgartner, der später an vielen Fronten des Dritten Reiches unterwegs ist und ihm von Grausamkeiten berichtet. Im letzten Kapitel reist Adrian denn nun endlich in die Downs nach England, einem Sehnsuchtsort und erfährt von den Hinrichtungen der britischen Armee. Und wo ihm eine späte Liebe passiert.

Adrian Reiter bleibt ein Beobachter seines Lebens und Jahrhunderts, er ist ein Versehrter, der verschont bleibt. Und doch betroffen ist von all den Umbrüchen, die das 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Aber er ist auch ein Schweiger, ein Mann, der sich durchmogelt und durchhinkt, nicht ohne Zynismus bisweilen.

Norbert Gstrein hat einen wichtigen starken Antikriegsroman geschrieben, hochaktuell, von eindringlichem Ton, ohne zu moralisieren. Er erzählt mit einem geradezu drängenden Sog, intensiv, bildreich und mitreißend!

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse ist Norbert Gstrein schon, verdient hat er ihn allemal!

 

ISBN 978-3-44628297-1   € 27,-

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