Carys Davies „Das Pfarrhaus“

Indienreisen haben in der englischen Literatur eine lange Tradition. Die britische Autorin Carys Davies nimmt dies als Vorlage für ihren neuen, behutsam erzählten Roman, der von einem Neustart handelt. Und einen kleinen Ausschnitt der Lebenswelten in Indien zu Beginn von Modis Regierungszeit vermittelt.
Hilary Bird ist Bibliothekar, Anfang 50, ein schlaksiger Junggeselle, der nach einem Zusammenbruch eine Reise nach Indien unternimmt. Etwas planlos irrt er durch Städte und findet schließlich auf Einladung eines Pfarrers ein ruhiges und kühles Domizil in den Bergen Indiens, wo er sich rasch heimisch fühlt. Er schließt nach einem Sturz engere Freundschaft mit dem Rikschafahrer Jamshed, der ihn auf bisweilen halsbrecherische Weise durch die Gegend fährt und dem er von seinem Leben in England berichtet. Der Pfarrer hat eine Haushälterin, ein ehemaliges Findelkind: Priscilla ist eine kluge junge Frau der christlichen Minderheit des Dorfes, zu der Bird eine freundschaftliche Beziehung entwickelt. Aber er bemerkt die Zeichen der Zeit nicht, denn es gibt Probleme im Dorf und zwischen den Glaubensrichtungen.
Die vielfach prämierte Autorin hat sich zu diesem leisen und tragischen Roman von wahren Begebenheiten inspirieren lassen. „Das Pfarrhaus“ ist ein Roman voll leiser Spannungen, in denen es um Träume und Hoffnungen geht. Das ist sehr kunstvoll erzählt und nimmt auf altmodische Weise mit in ein Indien von heute.
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